Dolce far niente überm Rhein
Dolce far niente überm Rhein
Dolce far niente überm Rhein
Dolce far niente überm Rhein
Dolce far niente überm Rhein
Dolce far niente überm Rhein
Dolce far niente überm Rhein
Dolce far niente überm Rhein
Dolce far niente überm Rhein
Dolce far niente überm Rhein

Etwa 250 Jahre bevor Christopher Columbus Amerika entdeckte, fiel einem gewissen Diether von Katzenelnbogen ein, seine Finanzen am Warenverkehr des Rheins aufzubessern.

Er tat dies und zog sich sogleich den Unwillen anderer Burgherren, die das gleiche taten, zu. Um seine Pfründe zu sichern, hatte Diether eine große und stark geschützte Festung errichtet, die Burg Rheinfels über der Ortschaft St. Goar. Die Burganlage dürfte nach Ehrenbreitstein gegenüber Koblenz die größte Burganlage am Mittelrhein sein. Die stattliche Zahl von insgesamt 65 Burgen und Schlösser rechts und links neben dem ehrwürdigen Strom künden vom wirtschaftlichen Interesse der Ritterschaften, sich mittels unmittelbarem Zwang, durch Handelszölle sowohl ihre Burgbauten als auch ihre Rente zu finanzieren. Heute gibt es keine Binnenzölle mehr und die Touristenströme aus fernen Ländern beleben neben dem Weinanbau an den warmen Schieferfelsen nicht nur die engen Gassen sondern auch die Kassen der einheimischen Bevölkerung.

Zum Leidwesen der Menschen unten im Tal tragen jeweils ein Paar Schienen der Bahn bei, was dort „unten“ recht laut sein kann. Aber wir, das sind meine Frau und ich, zogen es vor, unsere Ruhe 70 Meter weiter oben zu suchen, wo kaum noch Bahnlärm zu hören ist. Da muß man schon genau hinhören auf die Eisenbahn, die sich von hier oben wie ein Spielzeugeisenbahn ausmacht.

Wir hatten uns vorgenommen, einmal „nichts“ zu tun, die Seele baumeln zu lassen, gut zu essen und im Wellnessbereich zu entspannen.

Unsere Wahl fiel auf das „Schloßhotel Rheinfels“. Es ist angegliedert an die ehemalige Zollburg, die der Diether von Katzenelnbogen vor 750 Jahren auf einen Felssporn errichtet hatte. Beide Bauwerke sind räumlich voneinander getrennt und Touristen, die die Burg besuchen, kommen den Hotelbesuchern nicht in die Quere. In den Schloßinnenhof, wo wir unseren Wagen abstellen konnten, gelangt man über einen Burggraben; auf dem Parkplatz außerhalb wäre noch genug Platz gewesen.

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Der Verfasser dieser Zeilen hier vertritt dem Dienstleistungsgewerbe gegenüber die Haltung, daß Freundlichkeit die Basis sein muß. Ausnahmslos, sei es an der Rezeption, im Wellnessbereich oder in den Restaurants begegneten wir nettem und zuvorkommenden Personal. Stets hatten wir das Gefühl, daß wir Gäste hier im Mittelpunkt stehen. Einer der Mittelpunkte des Hotellebens stellt der Wellnessbereich dar. Der Eigentümer – der Geschäftsführer hatte vor ca. 10 Jahren das Hotel übernommen – hat es gut verstanden, aus der verwinkelten Bausubstanz diesen Erholungsbereich so zu ordnen, daß die Gäste auf mehreren Ebenen chillen, saunieren oder einfach nur ruhen können – dolce far niente läßt grüßen. Unser Zimmer war mit allem ausgestattet, was zum angenehmen Leben benötigt wird. Geboten wird ferner ein Hallenbad, eine 90° Sauna und im Außenbereich ein recht große finnische 80° Sauna, ein Tauchbecken sowie eine Menge Liegen. Das sog. Kleopatrabad mit seinem riesigen Dia des Rheintals suggeriert ein Baden über den Niederungen des profanen Lebens unten in St Goar. Offensichtlich legt die Hotelleitung großen Wert auf olfaktorische Begleitung des ruhesuchenden Gastes, an jeder Ecke schien ein anderer Duft aufzusteigen, alles sehr angenehm und unaufdringlich.

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Wenn die Seele in dieser romantischen Umgebung schon baumeln darf, so verlangt irgendwann auch der Magen nach Beachtung – die Küche vermag die Lüste nach Genuß perfekt zu erfüllen. Glücklicherweise ist die Speisekarte nicht überladen, die Bedienung wartet auf das Zeichen für den nächsten Gang, es geht alles streßfrei vonstatten. Der Blick in beide Weinkarten lohnt sich und der Gedanke, sich im Weinkeller einschließen zu lassen, läßt sich schwer unterdrücken. Wie zu erwarten war, ließ auch das Frühstücksbuffet kaum Wünsche offen. Das Restaurant ist großzügig geschnitten, die Tische stehen in angemessenem Abstand voneinander, was in alten Burgrestaurants ja nicht selbstverständlich ist. Einen phantastischen Blick bieten die  Tische direkt an der langen Fensterfront des Wintergartens, hier sitzt der Gast wie über einer Spielzeugeisenbahn und schaut sich das Treiben im Tal an, Lastenkähne schnaufen Richtung Schweiz, Hotelschiffe ziehen gemächlich ihren Weg und die Fähre nach St. Goarshausen kreuzt Altvater Rhein; man ist versucht, sich einen Trafo zu bestellen und die Eisenbahn hüben wie drüben zu regeln.

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In Sichtweite des Schloßhotels liegen zwei Burgen mit bekannten Namen: die Burg Neukatzenelnbogen, deren ursprünglicher Name vom Volk auf Burg Katz vereinfacht wurde und die Burg Maus. Beide Anlagen sind mehr als sechs Jahrhunderte alt und haben – wie soll es bei Burgen im Mittelrheintal auch anders sein – eine bewegte Geschichte hinter sich. Zwei Kilometer Rheinaufwärts lockte  die Loreley – ein stattlicher Felsen mit poetischem Hintergrund – früher Kapitäne manchmal ins  Unglück und heute Touristen zu verzückten Rufen. Zu diesem Touristenmagnet hat man von einer auf der gegenüberliegenden linken Rheinseite liegenden Dependance des Schloßhotels ungehinderten Ausblick. Von hier, Maria Ruh genannt und ausgestattet mit einem kleinen Restaurant inklusive einer Imbißtheke für eilige Gäste, lassen sich Wanderungen in das Hinterland gut starten. Freunde der Flussschifffahrt kommen hier am Mittelrhein auf Ihre Kosten. Gleich mehrere Gesellschaften befahren den Rhein und in gemächlichem Tempo zeigt die Landschaft ihre freundlichen Seiten.

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Unsere Erwartungen hatten sich voll erfüllt, wir sind tiefen-entspannt wieder nach Hause gefahren und haben allen erzählt, welch´ gute Hotellerie in Deutschland zu finden ist, wie gut das Essen schmeckt und wie man in einer Burg chillen kann.